Berichte der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 11.12.2008

Seit einem Jahr rollt das rote Mobil in der Gemeinde Brieselang – 5760 Fahrgäste wurden gezählt

Ramona König und ihr kleiner Sohn Christian nehmen den Bus um 10.03 Uhr. Sie hatten schon morgens was am Brieselanger Markt zu erledigen, jetzt geht’s vom Bahnhofsvorplatz zurück nach Zeestow. „Bequem“, findet Ramona König den Service, den es für Brieselang und seine Ortsteile gibt. Die junge Frau hat kein Auto und nutzt daher das rote Mobil regelmäßig. „So zweimal die Woche“ erzählt sie, während der Fahrer hinten den Kinderwagen im Transporter verstaut.

Der Zeestowerin war es gestern gar nicht bewusst, aber eigentlich war sie Fahrgast auf einer Geburtstagstour. Vor genau einem Jahr rollte der Brieselanger Bürgerbus das erste Mal. Engagierte Einwohner hatten das Projekt über Monate auf die Beine gebracht, und heute sorgen 23 ehrenamtliche Fahrer dafür, dass das rote Mobil von montags bis freitags zuverlässig alle Gemeindeteile anfährt.

„In diesem einen Jahr haben wir 5760 Fahrgäste gezählt, das entspricht etwa der Hälfte der Brieselanger“, sagte Günter Lüder, der das Projekt mit aus der Taufe hob und Geschäftsführer des Brieselanger Bürgerbusvereins ist. Maximal acht Leute können auf einmal chauffiert werden. „Es ist schon vorgekommen, dass elf auf den Bus gewartet haben. Dann sind wir noch mal vorbeigekommen“, erzählte Kurt Jakob, Vorsitzender des Vereins. 35,1 Prozent habe die durchschnittliche Auslastung übers Jahr betragen. Dies sei gut und ein wirklicher Erfolg, hieß es auch beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der den Brieselangern von Anfang an beratend zur Seite stand.

Den Bürgerbusakteuren ging es immer um die Akzeptanz der Brieselanger. Daher haben sie im Herbst auch eine Fahrgastbefragung durchgeführt. Auf den 40 Bögen, die zurückkamen, wurden Pünktlichkeit und Service gelobt. Es gab auch Anregungen: „Viele wollen, dass wir nachmittags bis 17 Uhr fahren. Im Moment geht’s nur bis 15.30 Uhr“, so Günter Lüder. Den Wunsch würde man den Brieselangern gern erfüllen, aber vor 2010 werde das nichts, meinte Kurt Jakob gestern. Denn für längere Fahrzeiten braucht man mehr Fahrer. „Jetzt sitzt einer acht Stunden hinterm Steuer, dann könnte man Schichten einführen“, erklärte er. Erweiterte Fahrzeiten würden auch zu höheren Betriebskosten führen. „Darüber müssen wir rechtzeitig mit der Gemeinde und dem Kreis sprechen. Unsere Partner tragen ja die Betriebskosten je zur Hälfte“, so Kurt Jakob. In diesem Jahr teilten sich Kommune und Landkreis die 15 000 Euro. In den Haushaltsentwürfen für 2009 sind insgesamt 17 000 Euro vorgesehen.

Der im Havelland bislang einmalige Bürgerbus wird weiterrollen. „Ich finde das Projekt wunderbar“, sagte Ingrid Rosenhahn. Die Brieselangerin hat das Mobil schon genutzt, wenn sie mit schweren Taschen vom Einkaufen kam. „Und wir hoffen auch, dass der Bus künftig am Brieselanger Waldfriedhof langfährt“, äußerte sie. Diesen Wunsch hat auch Bürgermeister Wilhelm Garn mehrmals vernommen. Bürgerbus-Geschäftsführer Günter Lüder hat da gute Nachrichten: Ab dem nächsten Frühjahr wird am Waldfriedhof Halt gemacht. „Zweimal vormittags und zweimal nachmittags.“ (Von Anke Fiebranz)