Er fährt und fährt und fährt . . .

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete am 06.07.2009:

Brieselanger Bürgerbus erwartet 10 000. Passagier / Dennoch hat der Verein zu wenig ehrenamtliche Fahrer

BRIESELANG - Der Bürgerbus in Brieselang hat sich zum Selbstläufer entwickelt: Mitte des Monats rechnen wir mit dem 10 000. Fahrgast. Für diesen gebe es eine Überraschung, sagte der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Kurt Jakob am Freitagabend während der Hauptversammlung. „Der Bürgerbus ist anerkannt, und jeder der ehrenamtlichen Fahrer wird bestätigen – es macht Spaß.“ Die Fahrgäste sind nett, freundlich und dankbar: „Ich habe es in Berlin noch nie erlebt, dass ein Fahrgast aussteigt und sich beim Fahrer bedankt.“ In Brieselang geschehe dies fast regelmäßig.

 

21 ehrenamtliche Fahrer hat der Bürgerbusverein, der am 10. Dezember 2007 seine Arbeit aufnahm. Allerdings fahren tatsächlich nur 19. Das Ziel, die Zahl der aktiven Fahrer so weit zu erhöhen, dass jeder nur einmal pro Monat zur Schicht antreten müsse, sei nicht erreicht worden, resümierte Kurt Jakob.

Ein Zuwachs im Fahrerlager sei wichtig , wenn man die Wünsche der Fahrgäste erfüllen will. Die haben sich in einer Befragung dafür ausgesprochen, dass der Bus nachmittags länger fährt – möglichst bis 17 Uhr. Derzeit ist um 15 Uhr Schluss. „Das bedeutet aber für einen einzelnen Fahrer einen unzumutbaren Zehn-Stunden-Dienst“, erklärte Jakob. Es sei aber vorstellbar, pro Tag zwei Fahrer einzusetzen – vorausgesetzt, es melden sich genug: „Unsere Vorstellung liegt bei 40.“

Knapp 41 000 Kilometer hat der Bus seit der Jungfernfahrt zurückgelegt, 3000 Stunden war er in Brieselang unterwegs. Fast 5600 Fahrgäste nutzten 2008 den Bürgerbus, rund 3700 waren es bereits in diesem Jahr. Dies entspreche einer Auslastung von 46,8 Prozent, was von Verkehrsexperten als ein sehr guter Wert angesehen werde.

Im Mai und Juni dieses Jahres verzeichneten die Betreiber einen leichten Rückgang der Fahrgastzahlen, was auf Bauarbeiten an der Bahnlinie und damit verbundenen Zugausfällen zurückgeführt wird. Die Leute, die sich zum Bahnhof bringen oder von dort abholen lassen, suchten Alternativen, um ihre Arbeitsplätze zu erreichen.

Künftig spielt das Geld für den Verein eine größere Rolle. In spätestens drei, vier Jahren brauche man einen neuen Bus. Der Landkreis würde ihn zu 50 Prozent fördern, die verbleibenden 50 Prozent erhofft man sich von der Gemeinde: „Die müssen wir so lange bearbeiten, bis sie zahlt,“ lautet die teils scherzhafte, teils ernst zu nehmende Taktik. In Gransee, wo ebenfalls ein Bürgerbus auf Strecken unterwegs ist, die die offizielle Verkehrsgesellschaft nicht fährt, gebe es derzeit massive Probleme, einen neuen Bus anzuschaffen.

Die Betriebskosten für den Mini-Bus, die in diesem Jahr noch zur Hälfte vom Landkreis getragen werden, müssen auch umgeschichtet werden. Die Havelbusverkehrsgesellschaft, an die auch die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf gehen, übernimmt nun eine Hälfte, die Gemeinde die zweite. Zudem werden aus der Gemeindekasse die ärztliche Untersuchung der Fahrer und die Kosten für die Ausstellung des notwendigen Personenbeförderungsscheins bezahlt. (Von Werner Schmidt)