Astrid Nozewnik ist 10 000. Fahrgast

im Brieselanger Bürgerbus – für sie gab es gestern Blumen

zehntausend.jpg BRIESELANG - Blumen und Gratulation kamen gestern völlig überraschend für Astrid Nozewnik. Sie wurde zum 10 000. Fahrgast des Bürgerbusses in Brieselang gekürt. „Das bringt mir hoffentlich Glück. Ich bin auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch“, sagte die 42-jährige Brieselangerin. „Toi, toi“, hörte sie von allen Seiten und von Bürgermeister Wilhelm Garn gab es noch einen dicken Präsentkorb dazu.

 

Eine muntere Schar hatte sich kurz vor zehn am nördlichen Bahnhofsplatz versammelt, um den Jubiläumsfahrgast zu begrüßen. Darunter Mitglieder vom Bürgerbusverein, die das Projekt am Rollen halten. Seit anderthalb Jahren sind 23 Fahrerinnen und Fahrer werktags in Brieselang, Bredow und Zeestow unterwegs. Ehrenamtlich. „Im Schnitt kommen wir auf 30 Fahrgäste pro Tag“, erzählte Kurt Jakob, der Vereinsvorsitzende. „Ohne uns hätte mancher sein Ziel schlechter oder gar nicht erreicht, weil die Mobilität nicht gegeben wäre“, sagte er und beschrieb damit schön den Sinn des roten Autos: Es kommt auch in Teile der Gemeinde, die von öffentlichen Bussen nicht angefahren werden.

Der Kleintransporter ist altersübergreifend beliebt. „Jetzt in den Ferien nutzen ihn viele Schüler. Sie lassen sich bis zum Bahnhof fahren, von dort geht’s mit dem Zug nach Berlin“, so Günter Lüder, Geschäftsführer des Bürgerbusvereins.

Gerd Bauernfeind ist als freiwilliger Fahrer seit der ersten Stunde dabei. Zwei Tage im Monat sitzt er auf dem Fahrersitz. Im Bürgerbus trifft er viele Leute, manchmal gibt es bewegende Momente. Etwa als eine junge Frau ihn bat, schön vorsichtig zu fahren und ihm verriet, sie erwarte ihr zweites Kind.

Jede Stunde fährt der Bus am Bahnhofsvorplatz ab, dann tourt er abwechselnd durch den südlichen und den nördlichen Teil der Gemeinde. Das Bürgerbusteam nutzte gestern die Gunst der Stunde, um ihre Wünsche an den Mann zu bringen. „40 000 Kilometer hat er runter. Drei bis vier Jahre macht es der Bus noch. Aber dann wird Ersatz gebraucht“, sagte Kurt Jakob in Richtung von Rainer Bretschneider. Der Staatssekretär aus dem Infrastrukturministerium war extra zur Feier des Morgens angereist. Er lobte kräftig die Brieselanger Fahrer für ihren Einsatz und überreichte bunte Brandenburgbücher. Beim Thema Geld für einen Ersatzbus hielt er sich etwas bedeckt und verwies auf den Kreis (siehe Interview). Vize-Landrat Roger Lewandowski versprach immerhin, dass der Kreis 50 Prozent des neuen Bürgerbusses bezahlen wird. „Der Kreis hat 2008 und 2009 auch die Hälfte der Betriebskosten übernommen“, setzte er hinzu. Die liegen bei 17 000 Euro und werden ab 2010 zu 50 Prozent von der Firma Havelbus übernommen. Die andere Hälfte bringt weiterhin die Gemeinde auf.

Derzeit arbeitet der Bürgerbusverein am Winterfahrplan. Die Anschlüsse sollen verbessert werden: Der Zug komme oft zu spät an, der Bus sei dann schon weg, so Günter Lüder. Gestern klappte aber alles. Zwei Berliner mit Wochenendgrundstück in Brieselang sprangen aus der Bahn und in das rote Mobil. Fahrer Gerd Bauernfeind kam pünktlich los. (Von Anke Fiebranz)