NAHVERKEHR: Schicht auf Schicht

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete am 15.09.2010:

Mit dem Brieselanger Bürgerbus auf Tour / Ehrenamtliche Fahrer gesucht

BRIESELANG - Schichtwechsel im Brieselanger Bürgerbus. Kurz vor zwölf übergibt Udo Barthel (70) das rote Mobil an Günter Lüder (65). „Es war ein recht ruhiger Vormittag“, sagt Barthel. Er gehört zu jenen, die schon seit Dezember 2007 den Bürgerbus steuern. Freiwillig, ehrenamtlich.

 

An diesem Vormittag hat Barthel zehn Kunden durch die Gemeinde gefahren, auf insgesamt vier Touren. Vier Runden wird auch Günter Lüder am Nachmittag absolvieren. Er ist ebenso lange dabei wie Barthel und Geschäftsführer des Brieselanger Bürgerbusvereins. Genau genommen hatte Lüder die Idee für das Projekt, das seit Ende 2007 den Linienverkehr ergänzt. Der Bürgerbus hält dort, wo kein großer Bus hinkommt. „Bis in den äußersten Norden Brieselangs müsste man immerhin 50 Minuten laufen“, sagt Lüder.

Er fährt an diesem Tag als erstes die Südroute, die über die Ortsteile Zeestow und Bredow führt. Laut Plan ist 12.04 Uhr Abfahrt am südlichen Bahnhofsvorplatz. „Manchmal geben wir noch eine Minute dazu, wenn der Zug aus Berlin verspätet ist, erzählt er. Das passiert häufiger. Dann ärgern sich die Leute, wenn der Bürgerbus nicht gewartet hat. Aber zu spät darf das rote Mobil nicht starten, sonst gerät der ganze Fahrplan durcheinander. Und auf der Strecke stehen schließlich Leute, die mit dem Kleinbus zum Bahnhof wollen, um dort ihren Zug zu erreichen. Ein Kreislauf.

Diesmal kommt Lüder pünktlich weg. Gleich darauf an der Sparkasse steigt ein Mann ein, der den Bürgerbus öfter nutzt: Klaus Kramer, ein Berliner, hat noch schnell eingekauft, bevor er sich in sein Ferienhaus nach Zeestow aufmacht.

Fahrer Günter Lüder kennt die Strecke aus dem Effeff. „Sie ist nicht schwierig“, sagt er. Und mittlerweile sind auch alle Baustellen auf der Landesstraße weg. Die haben Minuten gekostet. Kurz vor Zeestow-Dorf winken eine Frau und ein Mann am Straßenrand. „Gegenüber dem Campingplatz haben wir einen Bedarfshalt“, sagt Lüder und bremst. Evelyne Engelage und ihr Mann steigen ein. Sie sind Dauercamper in Zeestow, jetzt wollen sie aber mit dem Zug nach Hause, nach Spandau. Der Bürgerbus bringt sie zum Bahnhof. In Bredow schließlich wartet eine junge Frau mit großer Tasche an der Bushaltestelle. Auch sie will mit dem Zug weiter. Pünktlich um 12.21 Uhr ist der Kleinbus wieder am Brieselanger Bahnhof. Vier Minuten später rollt die Regionalbahn. Geschafft.

Günter Lüder hat jetzt eine halbe Stunde Pause, in der er normalerweise Zeitung liest. An diesem Tag rührt er aber die Werbetrommel: Der Bürgerbusverein hat derzeit 24 zuverlässige, ehrenamtliche Fahrer, darunter vier Frauen. „Ende 2011 scheiden aber zehn altersbedingt aus“, so Lüder. Neue Fahrer werden daher gesucht, zwischen 21 und 69 Jahren. Sie brauchen eigentlich nur zwei Voraussetzungen: Freude am (ehrenamtlichen) Fahren und Zeit. (Von Anke Fiebranz)