Mit sicherer Hand über Land

DEMOGRAFIE: Mit sicherer Hand über Land

Ein Training soll Bürgerbusfahrer fit für den Verkehr machen

POTSDAM - Der Vereinschef fährt selbst. Etwa einmal im Monat setzt sich Kurt Jakob hinters Steuer des Kleinbusses und tourt durchs Havelland. „Wenn ein Fahrgast dann beim Aussteigen danke sagt, dann hat es sich für mich schon gelohnt“, sagt der 73-jährige Vorsitzende des Vereins Bürgerbus Brieselang.

Rentner, die zum Arzt müssen, Schulkinder, zu deren Dorf kein Linienbus mehr fährt, Mütter mit Kinderwagen, die zum Einkaufen wollen. Der Verein hat viele Fahrgäste, die das Angebot zu schätzen wissen. Insgesamt vier Bürgerbusse schließen in Brandenburg inzwischen die Transportlücken, die der demografische Wandel auf dem Land verursacht hat. Wo öffentlicher Personennahverkehr nicht mehr rentabel ist, fahren Freiwillige mit Kleinbussen von Ort zu Ort. Außer in Brieselang hat sich das Modell auch im Hohen Fläming, in Lieberose (Dahme-Spreewald) sowie in Gransee (Oberhavel) bewährt, wo 2005 der erste Bürgerbus Ostdeutschlands Fahrt aufnahm.

Die insgesamt 59 Hobby-Busfahrer befördern mehr als 1000 Menschen im Monat. Einige von ihnen sind Rentner wie Kurt Jakob, andere sind arbeitslos, Hausfrauen oder treten vor Dienstbeginn noch für andere aufs Gas. Um das Engagement zu unterstützen, sponsern das Land und der ADAC nun ein Fahrsicherheitstraining für die Ehrenamtler. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten bleibt“, sagte Staatskanzleichef Albrecht Gerber gestern in Potsdam bei der symbolischen Scheckübergabe an die Bürgerbusvereine. Insgesamt 6000 Euro aus Lottomitteln stellt das Land für das Training in Linthe (Potsdam-Mittelmark) zur Verfügung.

Der Brieselanger Bürgerbus hat in fünf Jahren bereits mehr als 100 000 Kilometer zurückgelegt. Einen Unfall gab es bislang nie, erzählt Kurt Jakobs. Dennoch sei es wichtig, dass die Fahrer richtiges Verhalten etwa bei Glätte trainieren könnten. „Sie tragen eine hohe Verantwortung“, sagt er.

Und die wenigsten von ihnen sind Profis wie Andreas Klemm, der den Bürgerbus Hoher Fläming seit Jahren unterstützt. Der Berufskraftfahrer war arbeitslos, als er von der Initiative las – und sich sofort engagierte. Inzwischen zeichnet der Brandenburger „Ehrenamtler des Monats“ März auch für die Einsatzplanung verantwortlich. Unterstützt werden die Vereine dabei vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Die hauptsächlich von den Landkreisen finanzierten Bürgerbusse seien keine Konkurrenz für den ÖPNV, sondern eine sinnvolle Ergänzung, sagt Petra-Juliane Wagner, die beim VBB für die Initiativen zuständig ist. Auch außerhalb der Mark scheint man das zu erkennen: Im Frühjahr soll der Bürgerbus in Finnland einer breiten Öffentlichkeit als Modell für andere europäische Regionen vorgestellt werden. (Von Marion Kaufmann MAZ 19.11.11)